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Von Bernd Haase und Marcel Schwarzenberger
An der künftigen Ausgestaltung der oberirdischen Stadtbahnlinie 10 scheiden sich weiterhin die Geister. Hannovers Behindertenbeauftragte Andrea Hammann spricht sich für den Bau von Hochbahnsteigen aus. „Linden ist schlecht erschlossen – es wird Zeit, dass dort welche hinkommen“, sagt sie. Der entscheidende Nachteil einer Niederflurbahn für Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen oder Fahrgäste mit Rollator sei die eingeschränkte Bewegungsfreiheit im Innenraum. Die Autofahrerlobby ADAC hingegen ist weiterhin skeptisch: „Das Hochflursystem hat Kostenvorteile, ist aber aus Aspekten des Städtebaus und der Verkehrssicherheit mehr als kritisch zu sehen“, sagt Sprecher Jörg Fiene. Er bezieht sich auf das Steintor und die Flächen am Hauptbahnhof.
Eine Expertengruppe hatte vor allem aus Kostengründen für das Hochflursystem plädiert. Der Verkehrsclub Deutschland und die Bürgerinitiative Umweltschutz zweifeln die Berechnungen an – die Mehrkosten für Niederflur seien zu hoch angesetzt. Hannovers Stadtbaurat hatte am Verfahren Kritik geübt. „Ich vermisse ein Gesamtkonzept. Das darf nicht nur unter Gesichtspunkten des Stadtbahnbaus diskutiert werden“, sagte Uwe Bodemann. Die politische Brisanz liegt darin, dass die SPD derzeit Richtung Hochflursystem tendiert, fast alle anderen Parteien sich dagegen für Niederflurtechnik ausgesprochen haben.
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Stadt hat Zweifel am D-Linien-Konzept
Baurat Bodemann ist unzufrieden mit den Ergebnissen der Expertengruppe zur Stadtbahn
Von Mathias Klein
Die Frage spaltet die Bürger ebenso wie die Politiker: Soll die Stadtbahnlinie D, die quer durch Hannover führen wird, mit Hochbahnsteigen versehen werden oder als Niederflurkonzept funktionieren, also quasi ebenerdig? Auf einer Bürgerversammlung im Regionshaus zeigte sich Hannovers oberster Planer, Stadtbaurat Uwe Bodemann, äußerst skeptisch gegenüber den jüngsten Schlussfolgerungen einer Expertengruppe, die die Hochbahnsteigvariante empfohlen hatte. „Es ist endlich Zeit, eine Gesamtplanung vorzulegen“, sagte Bodemann. Beispielsweise sei von der Expertengruppe nicht untersucht worden, welche Auswirkungen auf den Straßenverkehr eine Verlegung der Stadtbahnhaltestelle am Steintor in Richtung Lange Laube habe. Die Region müsse jetzt mit der Stadt und mit den Kaufleuten in die Diskussion einsteigen.
Wie berichtet, hatten die Experten am Donnerstag den Verkehrspolitikern der Region erstmals ihre Beratungsergebnisse vorgelegt. Von dem sogenannten Niederflursystem wird dabei abgeraten – unter anderem aus Kostengründen. Eine Entscheidung soll noch in der ersten Jahreshälfte fallen.
Stadtbaurat Bodemann machte deutlich, dass die Stadtbahnpläne in der Debatte nicht isoliert betrachtet werden könnten. Wenn beispielsweise in der Kurt-Schumacher-Straße eigene Gleiskörper für die Stadtbahn gebaut werden sollten, würden andere Verkehrsteilnehmer an den Rand gedrängt. Ein eigenes Gleisbett für die Stadtbahn aber sei eine „antiquierte Stadtplanung“, betonte er. Deshalb sollte zwischen Clevertor und dem sogenannten Posttunnel am Hauptbahnhof darauf verzichtet werden.
Egal, ob Niederflurtechnik oder Hochbahnsteige, für den Posttunnel, den die Stadtbahn in Richtung Raschplatz passieren soll, müsse möglicherweise über andere Lösungen für die Autos nachgedacht werden, sagte Bodemann. Wegen der vielen Parkhäuser in diesem Bereich komme unter anderem ein System aus Einbahnstraßen in Betracht.
Bodemann war der Einzige auf dem Podium, der sich eindeutig zur Niederflurbahn bekannte. Selbst der Niederflurexperte Prof. Rainer Meyfahrt aus Kassel sagte, die Entscheidung in Hannover zugunsten der Hochflurtechnik sei vor einigen Jahren mit der Bestellung von 150 neuen Fahrzeugen für die Stadtbahn gefallen.
Der Vorstandsvorsitzende der Üstra, André Neiß, drängte gestern zu mehr Eile in der Debatte. „Ich würde mich freuen, wenn wir Tempo machen“, sagte er in der von HAZ-Redakteur Bernd Haase geleiteten Diskussion. Das wollten auch die Kunden seines Unternehmens, diese seien das Warten leid.
Gastgeber Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region, hielt sich gestern zurück. Bei einer Diskussion vor rund zwei Monaten hatte er jedoch das Niederflursystem klar abgelehnt. Der Andrang gestern Nachmittag war groß, mehr als 500 interessierte Bürger waren ins Regionshaus gekommen. Viele von ihnen nutzen die Gelegenheit für kurze Stellungnahmen und Fragen, ein eindeutiges Meinungsbild war im Publikum aber nicht zu erkennen.
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