Stadtverträglichkeit mit Niederflurbahn

Niederflurbahn an Haltestelle in BilbaoIn einem weiteren Appell an die Regionsabgeordneten informiert das Bündnis “Zukunft Stadtbahn” über den besonderen Vorteil der Stadtverträglichkeit von Niederflurbahnen.

Europaweit hat die Niederflurbahn einen Siegeszug angetreten: Flexibel passt sie sich in das Ambiente des Stadtlebens ein. Funktional nutzt sie die städtebaulichen Möglichkeiten. Sympathisch findet sie Akzeptanz bei Passagieren wie Passanten. In Deutschland klammern sich nur noch zwei Großstädte an das historische Hochflursystem: Stuttgart und Hannover…

Stellungnahme des Bündnisses „Zukunft-Stadtbahn“

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Städten mit Straßenbahntradition und deren erfolgreichem Betrieb, in beinahe allen Großstädten Deutschlands, der Schweiz oder in französischen Städten mit „Straßenbahnrenaissance“, wird die oberirdische Stadtbahn als Niederflurbahn erweitert und als unverzichtbarer Bestandteil europäischer Stadtkultur gewertet. Das quirlige Miteinander von Menschen im Straßenraum, wartende Fahrgäste und belebte Bahnen bedeuten Urbanität und Lebendigkeit, vermitteln Sicherheit und tragen zum Wohlfühlen im öffentlichen Raum unserer Städte wesentlich bei.

Eine starke Präsenz des ÖPNV im Stadtbild durch ein dichtes Netz mit zahlreichen Haltestellen und eine leichte Systemzugänglichkeit ohne Treppen und Rampen sind zudem entscheidend für die hohe spezifische Nutzungshäufigkeit einer Straßenbahn.

Niederflurbahn in Nottingham Dabei bieten Niederflurhaltestellen in ihren wiederkehrenden und auf das Wesentliche reduzierten Ausstattungsstandards ideale Voraussetzungen, um sich als dienendes, infrastrukturelles Element in die gebaute Stadt einzuordnen, ohne selbst aufdringlich in den Vordergrund zu rücken.

Hochbahnsteige werden in Straßenräumen wie der Limmerstraße aus stadtgestalterischen, straßen- und nutzungsfunktionalen Gründen von den Anrainern zu Recht nicht akzeptiert.

Wer kann auch Stadtqualität in der zentralen Straße eines ganzen Stadtteils einem technischen System opfern, zu dem es akzeptable Alternativen gibt – oder in Missachtung derselben auf Haltestellen zurückgreifen, die aus den Schwerpunkten des Alltags in unattraktive Randlagen geschoben werden?

Die ohne hohen baulichen Aufwand zu realisierende, “schlanke” Niederflurhaltestelle ermöglicht im Gegensatz zum raumgreifenden Hochbahnsteig die Integration in stadträumlich sensibel zu behandelnde Plätze und enge Straßenräume – denn Haltestellen gehören eben an Orte, an denen man sie erwartet und nicht erst suchen muss: auf Plätze, vor stark besucherfrequentierte Gebäude und in belebte Wohn- und Geschäftsstraßen.

Eine Tram, in Augenhöhe mit der Stadt, kann durch schwellenfreie, flexibel zu verlegende und stadtverträgliche Haltepunkte in der stark frequentierten Innenstadt und den angebundenen Stadtteilen zudem wesentlich zu einer positiv emotionalen Besetzung und Ergänzung des ÖPNV-Systems in Hannover beitragen und mit moderater Geschwindigkeit vielen Menschen verlässlich kurze Wege ermöglichen.

Vorteile von Niederflurhaltestellen

Niederflur-Haltestellen unterscheiden sich fundamental von Hochbahnsteigen. Wie man in der hannoverschen Partnerstadt Leipzig und vielen anderen Städten erleben kann, gleichen die Haltestellen einem Bürgersteig, dessen Bordstein um wenige Zentimeter über das übliche Maß erhöht ist (in Leipzig und Dresden auf 20 cm Bordhöhe über der Schiene). Eine NF-Haltestelle benötigt keine zusätzliche Fläche, sie bleibt z.B. in der Limmerstraße wie bisher Teil des Bürgersteigs. Die multifunktionale Nutzung des Straßenraums, Schaufenster-gucken, einkaufen, rasten, Leute sehen und selbst gesehen werden, warten auf den Bus …, bleiben ebenso erhalten wie die optische und funktionale Beziehung zur anderen Straßenseite. Letztere werden bei Hochbahnsteigen stark beeinträchtigt, das Bild des Straßenraums und seine multifunktionale Nutzung stark gestört.

Da Hochbahnsteige in schmalen Straßen wie der Limmerstraße in der Regel in Mittellage vorgesehen werden, müssen die Gleise in Richtung Bürgersteige verlegt werden. Dadurch werden die Bürgersteige auf beiden Straßenseiten um 1,50m – 2,0m schmaler, und zwar nicht nur im Haltebereich, sondern im gesamten Gleisverschwenkungsbereich. Wünschenswerte Flächen für Stadtmobiliar, wie Bänke und Radständer, aber auch für Bäume, Außengastronomie und Auslagen werden auf einem beträchtlichen Teil der Straßenlänge wesentlich eingeschränkt.

Wir empfehlen deshalb: Unterstützen Sie in der Abstimmung in der Region Hannover die Niederflur-Lösung für die Linie 10.

Für das Bündnis „Zukunft-Stadtbahn“,

  • VCD Dr.-Ing. Cay Lienau
  • BIU Dr. Thomas Schwartz
  • SRL Karin Kellner

Und Einzelpersonen wie

Dr. Dieter Apel (Stadt- und Verkehrsplaner), Dr. Rudolf Menke (Verkehrsplaner), Prof. Dr. Eckart Güldenberg (Stadt- und Regionalplaner), Dr. Daniel Gardemin (Sozialwissenschaftler), Ernst Barkhoff (ehem. Ratsherr), Sonja Eick (ehem. Bezirksbürgermeisterin im Stadtbezirk Mitte)

Karin Kellner, Thomas Schwartz, Cay Lienau