Die 5 beliebtesten Irrtümer und Missverständnisse – Einladung zum Showdown

Am Montag, 18. Juni um 16 Uhr entscheidet die Regionsversammlung über die Zukunft des schienengebundenen ÖPNV und der Stadtbaupolitik in Hannover. In einem launigen Falter laden die Bürgerinitiative Umweltschutz e.V. und der Verkehrsclub Deutschland e.V. zur Teilnahme an diesem “Endspiel” ein.

Die Autoren räumen noch einmal mit den fünf beliebtesten Irrtümern und Missverständnissen auf. Die Texte sind in leichter Sprache und sollten sowohl von Kindern wie auch eingefleischten Fans der Hochbahnsteige verstanden werden können.

Fehlpass 1: In Hannover gibt es nun mal Hochflur, ein zweites System macht keinen Sinn.

Auch in anderen Städten, wie z.B. Frankfurt, Düsseldorf oder Dortmund gibt es beides. Überall in Europa werden Niederflurstrecken gebaut: z.B. Paris, Lyon, Straßburg, Leipzig, Bergen. Immer da, wo Strecken neu geplant oder umgebaut werden, wird Niederflur eingesetzt. Das könnte Hannover auch, denn die Linie 10 hat eine eigene Strecke und fährt nicht in den Tunnel. Die anderen Strecken können bei Hochflur bleiben.

Fehlpass 2: Aber Hochflur ist behindertenfreundlicher.

Nein, Niederflurbahnen sind genauso behindertenfreundlich wie Hochflurbahnen. Im Gegenteil: Die Niederflurbahn im norwegischen Bergen z.B. bietet 72 cm Gangbreite zwischen den Sitzreihen, der hannoversche Siegfried Silber nur 59 cm. Schon das Einsteigen ist bei Niederflurbahnen für alle Menschen leichter.

Niederflurborde lassen sich mit leichter Erhöhung in den Fußweg integrieren, sie müssen nur etwa 27 cm hoch sein. Hochbahnsteige mit 80 cm Höhe müssen immer mit einer Rampe überwunden werden. Das Bauen der Hochbahnsteige ist aufwendig und teuer, deshalb ließe sich die gesamte Strecke der Linie 10 mit Niederflur sogar schneller barrierefrei ausbauen als mit Hochflur.

Fehlpass 3: Wer soll das bezahlen? Niederflur soll doch teurer sein.

Das wird immer wieder behauptet, auch im Gutachten der Region. Dort wurden allerdings mehrere Punkte falsch berücksichtigt bzw. vergessen:

  • Die Kosten für das Grundstück, auf dem der Hochbahnsteig Küchengarten gebaut werden soll, sind nicht eingerechnet worden.
  • Die Kosten für den Betrieb der Niederflurbahnen sind übertrieben hoch angesetzt worden.
  • Bei der Hochflurvariante rücken die Haltestellen auf der Limmerstraße auseinander, dadurch ist mit Fahrgastverluste und Einnahmeausfälle zu rechnen. Niederflur macht die Linie 10 schneller attraktiv – das lockt mehr Fahrgäste und bringt mehr Einnahmen.

Alle diese Punkte zusammen genommen, gleichen sich die Kosten bei Nieder- bzw. Hochflur an.

Fehlpass 4: Das Land gibt keinen Zuschuss bei Niederflur.

 Das ist falsch. Das Land trifft keine Entscheidung über die Art der Bahnen, es beurteilt natürlich nur die sinnvolle und sparsame Verwendung von Geld. Die ist bei Niederflur genauso gegeben. Auch in Braunschweig fahren ältere Hochflur- und neuere Niederflurbahnen.

Fehlpass 5: Mein Gott, die Üstra-Bahnen sind doch gut…

 Schon. Aber mal ehrlich: Die Hochbahnsteige sind hässlich. In breiten Straßen wie Vahrenwalder oder Hildesheimerstr. stören sie nicht so. In engeren Straßen, wo die Menschen die Straße queren und Radfahrer fahren, sind sie eine Barriere. Die Limmerstraße z.B. ist nicht nur Fahrtstrecke und Haltestelle der „10“, sondern auch Fußgängerzone und Einkaufsstraße. Weiter steigende Fahrgastzahlen (z.B. wg. höherer Benzinpreise) werden es in der Zukunft notwendig machen, stark benutzte Buslinien auf Schienenverkehr umzustellen. Dies könnte die Sallstr., Bödekerstr. oder auch Ferdinand-Wallbrecht-Str. sein. Doch wer will hier Hochbahnsteige? Überall in Europa werden weitere Straßenbahnstrecken in Niederflur gebaut, eine „10“ in Niederflur hält diese Möglichkeit auch für Hannover offen.

Niederflur ist machbar!

Am 18. Juni kommt es in der Regionshaus-Arena in Hannover zum letzten entscheidenden Showdown. Schafft es Nele Niederflur sich auf einer wichtigen Strecke gegen Siegfried Silber durchzusetzen?

Schon vor etwa 20 Jahren hatte die BIU vorgeschlagen, die Strecken der heutigen Linien 3, 7, 9 und 10 auf Niederflur umzurüsten. Doch die damalige Üstra-Liga sagte schlicht: Geht nicht – gibt’s nicht! An vielen Haltestellen wurden seitdem 100 Meter lange millionenteure Hochbahnsteige gebaut. So wollten es nun auch die Üstra-Funktionäre in Linden. Doch es hagelte Proteste der Fans: Auf der Linie 10 sollen flache Niederflur-Borde gebaut werden und keine langen Beton-Hochbahnsteige!

Im Dezember 2010 legte die Üstra deshalb ein Gutachten vor: Niederflur auf Linie 10 geht nicht – gibt’s nicht! Doch Anfang 2012 mussten die Bahnbosse eine empfindliche Niederlage einstecken: Trotz intensiver Mitarbeit an einem Gutachten der Region wurde erstmals offiziell festgestellt: Niederflur geht!

Am 18. Juni soll die Regionsversammlung entscheiden. Wer kann das Match für sich entscheiden? In den meisten europäischen Städten hat sich Nele Niederflur durchgesetzt. Überall gilt Siegfried Silber als Außenseiter. Doch in Hannover hat er Heimvorteil, jeder kennt ihn. Dagegen durfte Nele Niederflur keine Vorstellungsfahrt machen. Siegfried Silber kommt ohne Hochbetoni nicht aus, das hat Nele Niederflur nicht nötig. Was ist also von diesem Heimvorteil zu halten?

Hier können Sie das Informationsblatt runterladen.

Seien Sie dabei, wenn das Finale am 18.06.12 um 16 Uhr in der Regionshaus-Arena Hannover steigt.